Hier möchte ich einige Kriterien und Aspekte auflisten, die bei der Wahl einer Digitalkamera am Anfang stehen sollten aber meist nicht beachtet werden.


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Sensorauflösung

Heutige Sensorauflösungen von Kompakt- und Bridge-Kameras liegen zwischen 9 und 16 Megapixel.

Mit einem 16 Megapixel-Sensor (8MP für grün und je 4MP für blau und rot) kann man genau genommen nur ein 4 Megapixel Dreifarbenbild höchster Qualität erzeugen. Für eine höhere Auflösung ist Farbinterpolation nötig. Sämtliche "Bildverbesserungsverfahren" (Rauschreduzierung, Spitzlichtkorrektur usw.) gehen zu Lasten der Bildschärfe also der Bildqualität und konterkarieren die hohe Bildauflösung des Sensors.

Ich verwende solche Kameras mit einer Auflösung von 4 bis 8 Megapixel bei mittlerer Qualitätsstufe. Als kleiner Nebeneffekt ergibt sich dann bei einigen Kameras ggf. noch ein "intelligenter Zoom". Mehr Auflösung oder die höchste Qualitätsstufe wären reine Speicherplatzverschwendung ohne realen Nutzen, da der Sensor wegen der Farbinterpolation nicht mehr hergibt und auch das Objektiv längst an seine Grenzen stößt. Nur in 4 Megapixel Auflösung würde die höchste Qualitätsstufe Sinn machen.

Interessant ist die Idee des Sensortyps EXR von Fuji mit den Modi "SN" für höhere Empfindlichkeit oder "DR" für höheren Dynamikumfang, bei denen "Bayer-Struktur" mit halber Auflösung möglich ist. Im Modus "HR" bei voller Auflösung ist die normale "Bayer-Struktur" nicht gegeben und die Farbinterpolationsmethode mir nicht bekannt.

Wer eine höhere Auflösung wirklich benötigt, muss zu Spiegelreflex-Kameras mit erheblich größeren Sensoren greifen. SLR-Kameras sind aber systembedingt deutlich teurer, schwerer, größer und erheblich lauter, was mich wiederum sehr stört. Eigentlich nur für Profis, die wissen, was sie sich damit antun.


ISO-Empfindlichkeit

Die ISO-Empfindlichkeit der kleinen "hochauflösenden" Sensoren der Kompakt- und Bridge-Kameras muss zwangsläufig schlechter sein. Bei ISO 100 erzeugen alle Digitalkameras brauchbare Aufnahmen, bei höheren ISO-Werten kommt es entweder zu deutlichem Rauschen oder durch "Rauschunterdrückung" zu deutlich verwaschenen Bildern. Ich halte die Bildqualität mit Sensoren unter 1/2" bei ISO-Empfindlichkeiten über ISO 200 für nicht akzeptabel.

Alle Kamerahersteller erliegen leider einer Tele-, ISO- und Pixel-Manie, die zu Lasten der Bildqualität bzw. des Speicherbedarfs gehen, es gilt nach wie vor: Beste Bildqualität mit 6 Megapixeln!


Rauschreduzierung

Eine Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten macht die Aufnahmen mehr oder weniger verwaschen und sollte deshalb unbedingt abschaltbar sein.


Bildstabilisation

Der Bildstabilisation (Shake Reduction, Anti-Shake) mit Bewegung des Sensors sollte der Vorzug vor der mit Bewegung der Linsen gegeben werden. Eine elektronische Bildstabilisation erfolgt durch dynamische Verschiebung der Pixelzuordnung oder Erhöhung des ISO-Wertes, letzteres hat den Namen nicht verdient.

Bildstabilisation kann je nach System richtig laut sein, wie z. B. bei der Pentax k-X und sollte dann für Video getrennt abschaltbar sein, damit sie im Ton nicht hörbar wird.


Aufnahme-Modi / Bedienkonzept

Es gibt teilweise so exotische Modi wie "Haustiere/Hunde" oder "Kleinkinder", die laut Bedienungsanleitung dann optimale Aufnahmen machen sollen, deren tatsächliche Wirkungsweise hinsichtlich ISO, Blende, Belichtungszeit, Farbtemperatur usw. aber nirgendwo erklärt wird. Da ich ohnehin nur in den Modi A, seltener S und gelegentlich M arbeite, kann es mir egal sein, was die Kamera in den Modi wirklich macht.


Batterien/Akkus

Die Wahl besteht zwischen Kameras mit einem teuren Li-Ionen-Spezialakku, von dem man sinnvollerweise noch einen zweiten kaufen sollte. Die Ladegeräte lassen sich aber meist nur an Netzspannung und nicht an 12V anschließen.

Alternativ gibt es Kameras mit 2 besser 4 AA-Akkus (Mignon). Diese sind preiswert, leicht zu bekommen und mit mehr Kapazität. Zudem gibt es dafür Ladegeräte mit Netz- und ggf. 12V-Anschluss.


Kameratests

Seit 2005 habe ich die Konika Minolta Dimage Z3 mit 4MP und seit weit über einem Jahr bin ich auf der Suche nach einer neuen Bridge-Kamera mit höherer Auflösung. Für den Kauf einer neuen Kamera gibt es für mich ein klares k.o.-Kriterium: Die Bildqualität bezüglich Detailgenauigkeit darf nicht schlechter sein als bei der Z3, denn eine Erhöhung der Auflösung darf nicht zu Lasten der Detailgenauigkeit gehen.

Zum Vergleich stelle ich bei jeder zu testenden Kamera die Brennweite so ein, dass ich in einem 380x380 Pixel großen Ausschnitt dasselbe Motiv in gleicher Größe erhalte. Dabei variiere ich noch die Empfindlichkeit von ISO 100 bis 800.

Die von mir getesteten Kameras Casio EX-FH20 mit 9MP und Pentax Optio X90 mit 12MP fielen bei diesem Vergleich klar durch. Sie waren insbesondere bei höheren ISO-Werten inakzeptabel.


Fujifilm FinePix HS20EXR

Die jetzt von mir getestete FujiFilm FinePix HS20 EXR blieb in der Detailgenauigkeit bei 16MP Auflösung nur wenig hinter meiner Konika Minolta Dimage Z3 zurück, mit eingestellten 8MP Auflösung konnte sie in der Detailgenauigkeit bereits gleich ziehen.

Kameras können systembedingt nicht die Detailgenauigkeit eines Scanners erreichen. Ein Scanner erfasst für jeden Bildpunkt alle drei Grundfarben (Rot, Grün, Blau), der Sensor einer Kamera erfasst je Bildpunkt nur eine Farbe - meist in "Bayer-Struktur" oder bei der HS20 in "EXR-Struktur". Die Kameras rechnen nun aus den daneben liegenden anderen Farbpunkten mehr oder weniger gut für jeden Punkt die interpolierten drei Grundfarben aus. Eine sogenannte 16MP-Kamera könnte streng genommen nur für 4MP Auflösung exakte Farbpunkte ermitteln.

Die Bildqualität einer Kamera ergibt sich aus der Qualität der Optik, des Sensors und des Interpolations-Algorithmus. Insofern macht es Sinn, diese Kamera mit 8MP Auflösung "M" zu betreiben, wobei die Kompression auf "Normal" eingestellt bleiben sollte, um qualitativ hochwertige Aufnahmen bei vernünftigem Speicherbedarf zu erhalten.

Chromatische Abberation und Verzeichnungen im Bereich von 50-720mmKB konnte ich nicht feststellen. Lediglich bei vollem Weitwinkel tritt leichte tonnenförmige Verzeichnung auf.

Als puristischer Fotograf betreibe ich jede Kamera im Aufnahmemodus "A" (Wahl der Blende mit Zeitautomatik), in Grenzfällen im Aufnahmemodus "M" (ganz manuell). Ich nutze keine Programm-Automatiken deren Eingriffe in die Bildverarbeitung im Verborgenen bleiben. Deshalb kann ich zu Sinn oder Unsinn der sonstigen Aufnahmemodi nicht viel sagen, wohl aber zur Handhabung der Kamera.

Direktzugriffstasten:

Die Kamera hat etliche Tasten, die den direkten Zugriff auf für mich wichtige Einstellungen (ISO, Art der Belichtungsmessung, Art der Fokussierung, Weißabgleich usw.) ermöglichen, die bei anderen Kameras nur über das Menü erreichbar sind.

Zwei Auslöser:

Ideal empfinde ich die getrennte Auslösung für Fotos und Video und die Besonderheit, dass während laufender Video-Aufnahme auch Fotos geschossen werden können!

Brennweiteneinstellung:

Die manuelle Brennweiteneinstellung dieser Kamera ist ergonomisch der Bedienung mit Wippe deutlich vorzuziehen. Die Betätigung ist zwar nicht "butterweich" aber durchaus akzeptabel. Die eingestellte Brennweite ist zweifach ablesbar, was es bei einer Wippe nicht gibt, und am Display wird während der Verstellung noch der Zoomfaktor eingeblendet.

Bilddrehung:

Die Kamera sensiert, wie die Kamera gehalten wird, und trägt im EXIF bei der Ausrichtung den richtigen Wert (8 für links gedreht, 6 für rechts gedreht und 3 für kopfstehend statt 1 für normal) ein, wenn die Kamera mehr als ca. 60Grad aus der normalen Horizontalen gedreht wird. Diese Eigenschaft der Kamera ist im Handbuch nicht beschrieben. Die Kamera (wenn im Menü: "WG. AUTO-DREH. [AN]") und geeignete Bildbetrachtungsprogramme (nicht Windows Vorschau) zeigen die Bilder dann richtig gedreht an. Der Menüpunkt "BILD DREHEN" ist damit eigentlich überflüssig und dreht auch nicht wirklich das Bild, sondern macht es richtig und ändert die Ausrichtung im EXIF.

Dynamikbereich:

Es stimmt, was im Handbuch der Kamera steht, dass "Flecken auftreten können". Die bei DR über 100 oder AUTO verstärkten dunklen Bildteile werden tatsächlich merklich schlechter. Ich verwende deshalb nur DR100.

Was mir nicht gefällt:

Manuelle Fokussierung bei Fotos:

Darunter verstehe ich eigentlich, dass - wie bei der Konika Minolta Dimage Z3 - eine Entfernungseinstellung angezeigt in Metern erfolgt. Die HS20 zeigt im Modus MF durch einen Balken im Display an, wie gut die eingestellte Entfernung mit der gemessenen übereinstimmt. Was soll das? Die manuelle Einstellung brauche ich doch, wenn ich der Kamera die Messung nicht zutraue und dann bleibt nur die Beurteilung der Bildschärfe am Display. Um das zu unterstützen, gibt es den Menüpunkt "MF FOKUSKONTROLLE [AN]", dann wird beim Drehen des Fokusrings das Bild im Display stark vergrößert.

Fokussierung bei Videoaufnahmen:

Es gibt keine manuelle Fokussierung. Im Menüpunkt "VIDEO AF MODUS" hat man die Wahl zwischen "MITTE", was die Fokussierung zu Beginn der Aufnahme beibehält oder "KONT." mit einer kontinuierlichen Fokussierung, die aber genau das macht, was ich befürchtet habe, sie macht in der Aufnahme hörbare Geräusche und pumpt (wie auch bei anderen Kameras), was die Aufnahme unbrauchbar macht. Hier fehlt eindeutig die manuelle Einstellung. Das Zoomen sollte man bei Videos (auch bei Kameras mit Wippe) tunlichst unterlassen - wegen dem Geräusch und der problematischen Fokussierung.

Verwacklungsschutz:

Die Bildstabilisierung mit CMOS-Shift macht es selbst bei Weitwinkel (31mmKB) nicht möglich, unter 1/15s freihand verwacklungsfreie Bilder zu machen. Ich frage mich ernsthaft, ob die Bildstabilisierung wirklich arbeitet. Da sind andere Kameras wesentlich besser, mit denen ich freihand verwacklungsfrei aufgenommen habe: Casio Exilim EX-FH20 z. B. bei 41mmKB mit 0,4s (!), Pentax Optio X90 z. B. bei 26mmKB mit 0,6s (!)

LCD-Sucher:

Der Farb-LCD-Sucher hat leider nur 0,2" bei 200kpx und verzeichnet zudem leicht kissenförmig. Im Gegensatz dazu die Canon PowerShot SX20 IS mit 0,44" bei 235kpx.

Uhrzeitanzeige:

Die Kamera kennt ausschließlich die 12h-Anzeige mit AM/PM. Prompt ist mir bei der Inbetriebnahme, die um 12:XX Uhr war, passiert, dass ich als Zeit 12:XX AM eingestellt habe und am nächsten Vormittag noch dasselbe Datum hatte.

Fazit:

Die Fujifilm FinePix HS20EXR ist hinsichtlich Bildqualität die beste Kamera und hat ein sehr gutes Bedienkonzept. Schlecht umgesetzt sind die manuelle Fokussierung, die Bildstabilisierung und der kleine LCD-Sucher.